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Psychologische Sicherheit ist kein Ziel
Kaum ein Führungsbegriff wird so oft benutzt und so selten definiert wie psychologische Sicherheit.
In den meisten Runden bedeutet er so viel wie gutes Klima. Niemand wird angeschrien, man versteht sich, keiner geht abends mit Bauchschmerzen nach Hause.
Das ist nicht die Definition.
Amy Edmondson hat den Begriff 1999 in einer Studie über Arbeitsteams eingeführt und beschreibt ihn als geteilte Überzeugung, dass es im Team sicher ist, ein zwischenmenschliches Risiko einzugehen. Also eine Frage zu stellen, die einen dumm aussehen lassen könnte. Einen Fehler zuzugeben. Zu widersprechen.
Der Kern ist nicht Wohlbefinden. Der Kern ist die Bereitschaft, etwas Unangenehmes auszusprechen.
In derselben Arbeit grenzt Edmondson ausdrücklich ab: Psychologische Sicherheit ist nicht dasselbe wie Zusammenhalt. Hoher Zusammenhalt kann die Bereitschaft zum Widerspruch sogar senken, Stichwort Groupthink. Ein Team, in dem sich alle mögen, kann psychologisch ausgesprochen unsicher sein.
Wie der Begriff entstanden ist, erklärt ihn ohnehin besser als jede Definition.
Edmondson untersuchte Mitte der Neunziger Medikationsfehler auf Krankenhausstationen. Ihre Erwartung war, dass die Stationen mit den besseren Teams weniger Fehler machen. Das Ergebnis war das Gegenteil. Ausgerechnet die Stationen mit der besseren Führung und den besseren Beziehungen meldeten die höheren Fehlerraten.
Sie machten nicht mehr Fehler. Sie sprachen darüber.
Ehrlich gesagt merke ich es am eigenen Verhalten zuerst. Wenn ich in einer Runde meine Meinung als Erster sage, höre ich danach selten eine andere. Das ist kein Beleg für Zustimmung, sondern einer für Reihenfolge.
Und jetzt der Teil, der beim Zitieren meistens wegfällt.
Edmondson selbst schreibt in ihrem Forschungsüberblick von 2023, psychologische Sicherheit sei nicht das Ziel, sondern ein Faktor, der andere Ziele erst ermöglicht. Wer sie zum Selbstzweck macht, pflegt am Ende das Arbeitsklima und verliert den Auftrag aus dem Blick.
Sicherheit ohne Anspruch ergibt eine sehr angenehme Abteilung, die nichts liefert. Anspruch ohne Sicherheit ergibt Leute, die Probleme verschweigen, bis sie teuer werden.
Ob eine Führungskraft das aktiv herstellen kann oder immer nur ermöglicht, weiß ich nicht. Vermutlich merkt man erst am Verhalten der anderen, ob es da ist.
Ein Team, das nie widerspricht, ist kein sicheres Team. Es ist ein stilles.